| MITTELDEUTSCHE ZEITUNG
WITTENBERG, DIENSTAG, 27. OKTOBER 2009
Berührende Bildsprache AUSSTELLUNG Die Kleine Galerie im Kulturbund zeigt unter dem Titel "MAL-Zeiten II" eine Werkschau mit Aquarellen, Acryl- und Ölgemälden von Hannelore Walde. VON STEFANIE HOMMERS |
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WtTFENBERG/MZ
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Kurz bevor es los ging, hatte Hannelore Walde doch ein wenig Lampenfieber
und sie freute sich darüber. Seit Jahren organisiert die gebürtige
Wittenbergerin Ausstellungen in der Kemberger Galerie am Turm, jetzt stellt
sie seit langem einmal wieder eigene Werke zur Schau. „Ich war froh, die
Aufregung und überhaupt die ganze prickelnde Atmosphäre mal wieder
am eigenen Leib zu spüren“, gestand sie bei der Eröffnung ihrer
Exposition in den Räumen des Kulturbundes in Wittenberg am vergangenen
Donnerstag.
![]() Unter
dem Motto „Mal-Zeiten II“ zeigt die Tochter des Malers Richard Tietze Arbeiten
unterschiedlicher Techniken und aus verschiedenen Schaffensperioden. Öl-
und Acrylgemälde in kräftigen Farben kontrastieren mit luftigen
Aquarellen, große Formate mit leicht dahingepinselten Miniaturen,
detailverliebte Ansichten wechseln mit Werken, die reduzierte und verknappte
Formen sprechen lassen, innere wie äußere Landschaften werden
offenbart.
Vom Vater habe sie gelernt, die Welt mit
anderen Augen zu sehen, verrät Hannelore Walde im Flyer zur Exposition.
Die frühe Schärfung des Blicks ist geblieben, auch wenn sie die
Malerei nicht zum Beruf gemacht hat. Und der Beruf wiederum hat die Malerei
inspiriert, davon zeigte sich zumindest Kulturbundchef Dieter Schäfer
überzeugt, wie er in seiner Eröffnungsansprache betonte. In der
Tat scheint es hier und da deutliche Hinweise auf eine Verbindung zu geben
zwischen der langjährigen Tätigkeit der Diplom-Ingenieurin in
der Materialprüfung und der Art und Weise, wie und vor allem womit
sie ihre Bilder gestaltet. Auf dem Aquarell „Verregnet“ präsentieren
sich schwarze Schirme vor einer verschwommenen Stadtsilhouette, die Struktur
des Maluntergrundes verleiht dem wässrigen Werk Tiefe und reizt zur
Berührung. Es handelt sich um ein Stück Tapete, wie die Künstlerin
verriet. Ein leuchtend roter Mohn ein paar Schritte weiter scheint geradezu
aus dem Bild herauszuragen, sich dem Betrachter entgegen zu recken. Nicht
allein die in intensivem Ton aufgetragene Acrylfarbe ruft diesen Effekt
hervor - es ist ein kleines plastisch eingearbeitetes Stück Seidenpapier,
das die Faszination hervorruft. Sie sammle leidenschaftlich gern und viel,
gestand Hannelore Walde. So werden denn die verschiedensten Materialien
im Atelier gehortet, bis sich ein geeigneter Verwendungszweck findet. Bei
der Eröffnung gesellte sich zum optischen Genuss noch der akustische:
Nichte Susanne Tietze untermalte den Bilderreigen mit Saxophonklängen
und viele Malerkollegen waren gekommen, um mit offenen Augen und Ohren
durch jene Galerie zu wandeln, die es ohne Hannelore Walde heute vermutlich
gar nicht mehr geben würde, wie Dieter Schäfer unterstrich, war
sie es doch, „die uns ermuntert hat, die kleine Galerie wieder aufleben
zu lassen“.
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