Armin Joiko
 
 
v.l. Günter Siebert, Armin Joiko, Helmut Kaiser, Werner Eckert 
Klassenfoto 1957/58
 
Armin Joiko 2004
 
Armin Joiko - Aus meinem Zyklus " Geschichten eines Untermieters " 

Mein Debüt als Untermieter.  

Täglich fuhr ich mit den Zug von Halle nach Köthen an die dortige Ingenieurschule, damals als ich siebzehn war. Fünfundvierzig Minuten, eine Zeit die nicht allzu sehr zu Buche schlug. Aber dann, als die Wintermonate kamen wurden aus 45 Minuten mitunter 450 und auf der Rückfahrt war es nicht besser. Oft kamen wir in Köthen so spät an, dass es geraten schien mit den nächsten Gegenzug gleich wieder heimzufahren. Also reifte die Idee ein Zimmer in Köthen zu mieten. Nun bekamen mein Freund Wulf und ich von der Zimmervermittlung der Schule ein Zimmer zugewiesen, bei einer Frau Meiling in der Nähe des Bahnhofes. Also machten wir uns frohgemut mit zwei Bettstellen auf einen Handwagen, Frau Meiling hatte der Schule mitgeteilt dass diese mitzubringen wären, auf den Weg zu unseren neuen Quartier. 
Wir klingelten an der Haustür und aus der ersten Etage schaute eine ziemlich korpulente Frau zum Fenster hinaus und fragte nach unseren Begehr. Wir wedelten mit unseren Schein für die Zimmervermittlung und sagten dass wir die neuen Mieter wären.  Wenig später öffnete sich die Haustür und die große dicke Frau Meiling füllte den ganzen Türrahmen aus. Sie stemmte beide Arme in ihre Hüften sah uns von oben bis unten an und donnerte los: "Also das sag ich euch gleich, Mädels bringt ihr mir nicht mit rein, nur dass ihr gleich Bescheid wisst. Einen Puff, ein Hurenhaus lasse ich hier aus meinen Haus nicht machen dann könnt ihr gleich wieder Leine ziehen. Habt  ihr verstanden?" Völlig eingeschüchtert von dieser Begrüßung, stammelten wir ein "Nein, nie, ach wo , machen wir nicht." "Na dann kommt mal rein, stellt die Betten auf und ich koche erst mal nen Kaffee, ihr trinkt doch Kaffee? Ich meine richtigen Kaffee nicht son Muckefuck. Also ich bin die Frau Meiling." Na das kann ja mit dieser Frau heiter werden, wo wir doch ein bisschen gehofft hatten der elterlichen Kontrolle endlich entwischt zu sein. 

Krebsvorsorge  

"Ich habe ja solche Angst, dass es Krebs sein könnte." Mit diesen Worten stürzte Frau Meiling, unsere Zimmerwirtin eines Morgens im Unterrock in unser Zimmer. Wulf war schon zur Vorlesung und ich saß gerade beim Frühstück. "Was ist denn los, warum haben Sie so Angst vorm Krebs?" "Ach fühle mal meine rechte Brust, da ist so eine Verhärtung, hier siehst du, fühle mal!" Vor mir stand die dicke Frau mit ihren gewaltigen Busen und ich genierte mich letzteren zu begrapschen und schaute ganz verlegen der Frau in ihr angstverzogenes Gesicht. "Na nun hab Dich nicht so, gib mal deine Hand her, ich könnte ja Deine Mutter sein." "Drum eben!" murmelte ich. Resolut ergriff sie eine Hand von mir und führte sie an ihren rechten Busen und drückte sie fest drauf. "Spürst du den kleinen Knoten an dieser Stelle?" Sei dass ich damals zu wenig Ahnung über die Konsistenz weiblicher Brüste hatte oder sei es dass mein Tastsinn in dieser Beziehung noch nicht so ausgeprägt war, ich konnte von einem Knoten nichts spüren und sagte dies, auch in der Hoffnung die aufgeregte Frau zu beruhigen. "Fass mal fester zu, dann spürst du es bestimmt." herrschte sie mich an. Ich drückte etwas fester und konnte trotzdem nichts spüren. Aber um nun nicht länger diesen Riesenknödel drücken zu müssen sagte ich, ja ich spüre eine kleine Verdickung. "Siehst Du, ich hab es doch auch gefühlt. Du hast so schöne warme Hände, da reibst du mir die Stelle und die andere Brust mal mit Salbe ein und du musst die auch schön kräftig einmassieren." dabei reichte sie mir eine Tube Vipratox, ein Schlangengiftpäparat, welches gegen Rheumabeschwerden und Muskelzerrungen genommen wurde. Was soll ich sagen, ich getraute mir nicht ihr diesen Dienst zu verweigern und habe den Busen, der durch das Schlangengift ganz rot wurde, kräftig massiert. "Ach tut das gut, ach tut das gut!" Sagte sie mehrmals und ich hatte den leisen Verdacht dass ihr Knoten ganz woanders war. 

Der Bahnhofsvorsteher oder das Ende ein großen Liebe. 

"Ach meine Jungs, ich will noch einmal den Schritt ins Leben wagen. Ich habe mich verlobt." Mit diesen Worten nahm uns Frau Meiling beide bei den Köpfen und drückte uns fest an ihren voluminösen Busen.. Der Wulf und ich wollten vor Lachen losprusten, aber es ging nicht, unsere Köpfe waren ja wie in einem großem  Kissen versunken. "Ja ich habe mich verlobt, und im nächsten Monat werden wir schon heiraten." "Wer ist denn der Glückliche?" wagte ich zu fragen. "Nun er ist verwitwet wie ich und er ist auch so alt wie ich, zweiundfünfzig. Er ist Bahnhofsvorsteher in Elsnigk, so etwas wie ein Beamter. Ach ich bin ja so glücklich!" 
Na der nächste Monat brach herein und wir hofften im Stillen wenigsten zum Polterabend mal so richtig essen und trinken zu können, aber der Monat ging vorbei und nichts war mit Polterabend oder Hochzeit. "Frau Meiling, wann startet denn nun das große Ereignis?" fragten wir nun unsere Zimmerwirtin. "Nie, niemals, nicht. Ach die Männer, hört mit den Männern auf. Einer ist wie der Andere. der Mann ist ja ein Hochstapler, ein Heiratsschwindler, er hat mir erzählt dass er Bahnhofvorsteher in Elsnigk wäre und dabei ist er nur ein ganz gewöhnlicher Schrankenwärter. Nein, die Frau eines Schrankenwärters, wo käme ich denn dahin. Also ein bisschen Stolz hab ich schon noch." Bliebe noch anzumerken, das Elsnigk eine kleine Gemeinde in der Nähe von Köthen ist, durch dass eine Nebenstrecke der Reichsbahn von Köthen nach Dessau führte und damals nur einen kleinen Haltepunkt und einen beschrankten Bahnübergang besaß. Jener Mann versah dort alle Dienste, wie Fahrkartenverkauf, Zugabfertigung, falls dort überhaupt ein Zug anhielt, und Schrankendienst in einer Person . 
 

Und so sah ich als Untermieter aus
 
 
 

Erste Übungen im Laboratorium im Weißen Gebäude 1956

 

Pfingsten 1957 am Petersberg